Was ist Zen?
Nun, das ist schwer zu sagen und es wurden schon viele Bücher und Aufsätze darüber geschrieben. Weiter unten ein Versuch von Stefan Blohm, Zen so einfach zu beschreiben wie es wirklich ist.
Für diejenigen, die es gerne etwas tiefgründiger hätten und lieber wissen wollen, was anerkannte Autoritäten dazu sagen, folgen je ein Text des Soto-Zenmeisters Kodo Sawaki und des Rinzai-Zenmeisters Christoph Hatlapa.
Wer es lieber wissenschaftlich umfassend angehen möchte, der wird bei Wikipedia ganz gut bedient.
Zen ist einfach einfach
Zen wird allgemein als Zen-Buddhismus verstanden. Es gibt inzwischen auch christliche Zen-Meister. Und Zen muss nicht an eine Religion gebunden sein. Es gibt auch so etwas wie Zen pur!
Das ist mein Zen, das Zen das ich lehre, dem ich zutiefst vertraue und das mich nun seit rund fünfzehn Jahren begleitet und leitet. Es geht dabei um nicht mehr und nicht weniger, als den Geist für mehr Bewusstheit zu schulen.
Was heißt aber Bewusstheit? Möglichst viel in unserem Leben so tun, daß wir wissen, daß wir es tun. "Hä, das macht doch jeder!", möchte jetzt manch Leser sagen. "Nö, das macht fast keiner!", ist meine Antwort darauf :-)
Wissen Sie, wieviele Atemzüge Sie heute bewusst genommen haben? Wundern Sie sich manchmal über eine Ihrer Reaktionen, zum Beispiel wenn mal wieder jemand "falsch" Auto fährt? Wenn Sie rauchen, grübeln, sich ärgern oder zu viel Essen; tun Sie das bewusst?
Nein, die meisten von uns tun sehr vieles nicht bewusst. Und darum genau geht es. Denn aus der Bewusstheit folgt Achtsamkeit im Denken, Handeln und Sprechen. Daraus wieder erfolgt dann Präsenz, das wirkliche Angekommensein im Hier und Jetzt. Und das führt nahezu zwangsläufig zu mehr Erfolg, Gelassenheit und Kraft die wiederum in mehr Lebensfreude münden.
Und das ist alles kein Hexenwerk, keine Geheimwissenschaft asiatischer Mönche, keine Belohnung für die Ansammlung guter Taten oder eine vegetarische, friedliche Lebensweise sondern einzig und allein das Ergebnis des Sitzens in Kraft und Stille. Der erste Mensch von der wir wissen, daß er diesen Weg gegangen ist, war übrigens der historische Buddha vor gut zweieinhalb Jahrtausenden. Aber der war ja auch kein Buddhist ;-)
(Stefan Blohm)
Auf der Suche nach Zen – ein Umweg
Zen als etwas Allgemeines gibt es nicht, ist ein Hirngespinst, über das viele Büchergeschrieben wurden und über das endlos diskutiert wird. Zen ist etwas ganz Persönliches. In jedem von uns kommt Zen durch unser Leben zum Leben.
Es gibt nicht so etwas wie Soto-Zen, Rinzai-Zen, chinesisches, japanisches oder abendländisches Zen, buddhistisches oder christliches Zen.
Zen ist mein Zen, dein Zen! Dies ist Fleisch und Blut, dies kann man sehen, kann man fühlen. Dies hat für uns praktischen Wert, gibt uns Richtung und Kraft in unserem täglichen Tun und Lassen.
Viele von uns verstecken sich in einem Soto-Zen, in einem buddhistischen Zen oder in einem christlichen Zen, um der persönlichen Konfrontation aus dem Weg gehen zu können. Viele führen endlose Gespräche über Zen, und es gibt ausführliche Untersuchungen, wie wertvoll das Zen für den Westen sein kann. Die Analogien zwischen Zen und der modernen Psychologie werden studiert. Zen wird wie warme Brötchen verkauft.
Andere gibt es, die Zen wie eine schwere Last mit sich tragen. Sie erinnern an mittelalterliche Ritter mit ihren schweren Harnischen. Dazu gibt es Entdeckungsreisende, die weite und teure Reisen unternehmen, um das Zen zu suchen... Wie ist das möglich? Etwas, das es nicht gibt, wird geübt, wird gelehrt, verdreht Leuten den Kopf, lässt andere Leute sich den Kopf rasieren, lässt sie fremde Gewänder tragen und fremde Gebräuche annehmen. Ist das nicht komisch?
Aber was geht das uns an? Wenn wir sind, ist Zen! Anwesend sein in dem was ist. Die Frage selbst ruft die Antwort herbei. Seit je galt Zen als der direkteste Weg; das Zen, wie wir es heute finden, ist eher ein Umweg.
(Zenmeister Kodo Sawaki)
Zen ist ...
Jeder Mensch kennt "Zen-Momente ". Es sind Augenblicke wie etwa die völlige Versenkung in eine spannende Tätigkeit, das Aufgehen in einer besonderen Situation oder das gänzliche Aufgesogensein durch eine Wahrnehmung.
Die westliche Psychologie spricht vom Flow-Erlebnis, doch fehlt in diesem Konzept noch das Moment der aufmerksamen (Selbst-)Beobachtung.
Allgemein lässt sich sagen, dass Zen eine Einsicht jenseits der Vernunft bezeichnet, die mit der jeweils persönlichen Lebensweise und -haltung eines Menschen eng verbunden ist.
Die Wurzeln des Zen liegen zwar im Buddhismus, doch ist es nach Meinung vieler Zen-Meister nicht an eine bestimmte Religion oder Weltanschauung gebunden. Dem Kern des Zen begegnen Sie jenseits aller religiösen und philosophischen Konzepte.
(Zenmeister Christoph Hatlapa, Rei Ho Roshi))